GQ-Tour "Westen"

Wein, Hochtechnologie, Poesie, Schwerindustrie, Romantik, Bergbau, Finanzwirtschaft und Spitzengastronomie – im Westen Deutschlands prallen die Gegensätze aufeinander. Aber der Schein trügt: Zusammengenommen ergibt das ganze bunte Gemenge ein mehr oder weniger harmonisches Ganzes. Man mag sich über den teils schlimmen Dialekt von Badenern, Schwaben, Pfälzern und Hessen lustig machen – dafür bauen sie nicht nur die besten Autos und produzieren den besten Wein, gerade im Südwesten haben sie auch die meisten Michelinsterne in Deutschland. 

Abwechslungsreicher als unser Trip im Westen der Republik kann eine Reise kaum sein. Nach dem Start im Herzen Europas in Straßburg führt die Strecke vorbei an Weinbergen und Flüssen durch eine Landschaft, die im Sommer eher an die Toskana erinnert als an Deutschland. Im Landgasthof des Jahres kochen wir mit dem Chef selber und freuen uns über Weine direkt vom Winzer, die es in keinem Laden zu kaufen gibt. In Karlsruhe, der Geburtsstadt von Carl Benz wagen wir einen Blick auf Medientechnik und Kommunikation der Zukunft. In Heidelberg, der Wiege der Romantik, schweben wir auf der Schlossterrasse über den Dingen und genießen den Sonnenuntergang über der alten Universitätsstadt.

Die Bankenmetropole Frankfurt beweist uns, dass sie weit mehr zu bieten hat als gestylte junge Männer in Businessanzügen. In Düsseldorf schließlich entdecken wir die Kunst auf verschiedenen Wegen – in einer außergewöhnlichen Bar und in einem Museum, dass noch gar nicht weiß, wohin der Weg geht. 

Bewertung: 
Restaurant Au Crocodile in Straßburg
Seit dem 19. Jahrhundert ist das Krokodil im Herzen der Europametropole Straßburg ein Tempel für Gourmets. Und bis heute hat sich das Restaurant einen ganz besonderen Charme bewahrt, der typisch ist für das Elsass. Seine glanzvollste Zeit erlebt das ehrwürdige Haus vielleicht gerade jetzt. Der junge Küchenchef Philippe Bohrer – geborener Elsässer wie fast alle seine Vorgänger – krempelt die Küche seit 2009 um, freilich ohne die Tradition des Hauses zu vergessen. Seit 2010 verteidigt er einen Stern im Guide Michelin. Doch nicht nur die Küche sucht ihresgleichen – auch die Qualität des Service ist etwas ganz Besonderes.
Restaurant Kaiserhof in Guldental
Der „Landgasthof des Jahres“ hat viele Gesichter: Restaurant, Hotel, Weinhandel und Kochakademie finden Platz unter dem Dach des alten Weingutes an der Nahe. Chef Markus Buchholz und sein Team stehen für eine „ehrliche Küche“, wie der Chef erklärt. Regionale und saisonale Zutaten werden kreativ und innovativ verarbeitet. Am Ende steht eine moderne und überraschende Küche, die in allen gängigen Restaurantführern hervorragend positioniert ist: Für den "Feinschmecker" gehört der Kaiserhof zu den besten 500 Restaurants in Deutschland und der "Gault Millau" vergibt 14 Punkte für eine sehr gute Küche. Im neu gestalteten Koch-Atelier können Sie selbst das Kochen nach Art des Kaiserhofs lernen.
Schlossweinstube in Heidelberg
Romantischer geht es dann wirklich nicht mehr: Die Schlossweinstube liegt im Schlosshof des Heidelberger Schlosses über den Dächern der Altstadt. Küchenchef Martin Scharff ist in der Wartenberger Mühle bei Kaiserslautern bekannt geworden. Seit 22 Jahren ist er ununterbrochen mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet. In der berühmtesten Ruine Deutschlands, dem Heidelberger Schloss, begeistert er gemeinsam mit Sven Niederbremer und seinem jungen Team die Gäste mit ausgefallenen Kreationen. Fast noch besser als die Menüs ist aber der Blick von der Schlossterrasse Schöner kann ein Sonnenuntergang nicht sein.
Logenhaus in Frankfurt
In der Bankenmetropole geht es nicht nur um den schnöden Mammon. Im Logenhaus (im selben Gebäude residiert auch eine Freimaurerloge) wollen die Betreiber Jan Petry und Stefan Rondoni nicht einfach feiern. Die beiden Gastronomen zelebrieren die Salonkultur der Zwanziger und Dreißiger Jahre. Die Wände des Logenhauses sind mit nostalgischen, teils alten Ornament-Tapeten versehen, die alten dunklen Möbel, Sofas und Spiegel sehen aus wie eine perfekte Filmkulisse. Nur, dass sie echt sind. Wer will, ist hier im Smoking gut angezogen. Doch auch wer sich in Jeans wohler fühlt, ist willkommen. Die klassische Bar bietet feine Drinks und eine Hand voll kleiner Gerichte. Bei gutem Wetter verlagert sich das Geschehen von der Retrobar nach draußen in den Garten im Hof.
ZKM in Karlsruhe (Bild: Uli Deck)
Das Zentrum für Kunst und Medientechnologie in Karlsruhe ist weltweit einzigartig. Fünf Museen unter einem Dach setzen sich mit den neuen Medien auseinander, mit Ihren Chancen und Wirkungen, kurz – mit der Zukunft in der Informationsgesellschaft. Klingt dröge? Ist es aber nicht. Die Ausstellungen und Sonderschauen der Karlsruher sind immer wieder beeindruckend. Derzeit werden die drei bedeutendsten deutschen Aktionskünstler der Nachkriegsmoderne Joseph Beuys, Bazon Brock und Wolf Vostell gemeinsam in einer groß angelegten Schau präsentiert.
NRW-Forum in Düsseldorf (Bild: Ralph Goertz)
Auch wenn die Zukunft offen ist – die Gegenwart geht weiter. Das NRW-Forum im Düsseldorfer Ehrenhof wird gerade komplett umgemodelt. Trotzdem gibt es nach wie vor spannende Ausstellungen aus Fotografie, Film, Video, Mode Design und Architektur. Derzeit ist eine Retrospektive von Joel Meyerowitz zu sehen, einem entscheidenden Vorläufer der Street Photography. Seine Werke sind Ikonen der zeitgenössischen Fotografie – und noch bis zum 11. Januar 2015 in Düsseldorf zu sehen.
Zeche Zollverein in Essen (Bild: Matthias Duschner)
Gegründet wurde die Zeche Zollvereinin in Essen-Schönebeck 1834, um die besonders ergiebige Koks-Kohle zu fördern. Noch bis 1986 fuhren hier die Kumpel unter Tage. Heute ist die Zeche Zollverein nicht nur ein phantastisches und absolut sehenswertes Industriedenkmal, sondern auch Weltkulturerbe der Unesco. Zollverein ist außerdem wichtiges kreatives Zentrum, vor allem für Designer und Architekten. Das alte Kesselhaus wurde von Stararchitekt Norman Foster umgebaut. Hier befindet sich heute das Design Zentrum NRW, direkt nebenan arbeitet PACT Zollverein – das choreographische Zentrum NRW. In der ehemaligen Kokerei sollten Sie sich die begehbare Rauminstallation Palast der Projekte von Ilya und Emilia Kabakov nicht entgehen lassen.

Neuen Kommentar hinzufügen

Jetzt Hotspot empfehlen!

So geht's:

  • Adresse / Hotspot auf der Karte anlegen
  • Bilder hochladen
  • Beschreibung hinzufügen
  • Weltweit teilen
Jetzt empfehlen