GQ-Tour "Osten"

Gerade über die Bundesländer im Osten wissen viele ehemalige BRD-Kinder auch 25 Jahre nicht viel mehr, als dass sie dafür den Soli zahlen. Höchste Zeit ins Auto zu steigen. Denn wer auf Reisen geht, gibt Gewissheiten auf. Die gewaltigen Umbrüche, die Land und Leute in den vergangenen zweieinhalb Jahrzehnten miterlebt haben, prägen den Osten. Depression war dabei gestern – eine neue Generation von Künstlern, Architekten, Musikern und Gastronomen nutzt die Hinterlassenschaften ihrer Vorgänger als Leinwand und Ursprung für ganz neue  Ideen. Erleben Sie den Aufbruch, die Kreativität und die Schönheit des wilden Ostens. 

Die einstmals größte Baumwollspinnerei Europas stand in Leipzig. 1989 arbeiteten hier noch 1650 Menschen. 1993 war dann Schluss. Heute ist die Alte Spinnerei in Leipzig das Zentrum der „Neuen Leipziger Schule“ um Neo Rauch. Wer will, kann mitten in dem riesigen Jahrhundertwende-Komplex übernachten. In der Innenstadt von Dresden laufen nicht nur einzelne Bentley-Modelle vom Band – mitten in der Fabrik finden Sie auch eines der besten Restaurants der Region. In Dessau empfehlen wir, an der Wiege des Bauhaus Station zu machen. Die Meisterhäuser von Gropius und Kollegen sind Ikonen der Architektur und prägen Kunst, Musik, Kultur und Baustil bis heute. Zum Abschluss verraten wir Ihnen, wo sich die Berliner Kunst- und Medienszene verwöhnen lässt. Wir zeigen Ihnen eine ganz eigene Bar und ein Sterne-Restaurant mit Rakete.

Bewertung: 
Leipziger Baumwollspinnerei (Bild: Bertram Schultze)
Nach der Wende kam die Depression. In der Spinnerei in Leipzig, einst größte Baumwollspinnerei Europas, gingen die Lichter aus. Doch bald schon zog neues Leben ein. Die leerstehenden Räume wurden für alternative Projekte entdeckt, erste Künstler bezogen Ateliers, nach und nach folgten Architekten, Werkstätten sowie Ausstellungen. Der endgültige Durchbruch kam mit der wachsenden Bekanntheit der „Neuen Leipziger Schule“. Neo Rauch war einer der ersten Künstler, der in die alte Spinnerei zog. Inzwischen atmet das ganze Areal Kunst, ist aus der alten Fabrik ein quirliges kulturelles Zentrum mit Künstlerkommunen, Galerien und vielen spannenden Veranstaltungen geworden.
Pension Meisterzimmer in Leipzig
Die alte Baumwollspinnerei in Leipzig ist so faszinierend, man möchte gar nicht mehr weg. Müssen Sie auch nicht. Die Künstler Manfred Mülhaupt und Jana Gunstheimer haben auf dem Gelände der Spinnerei ihre vier Meisterzimmer eingerichtet, eine Pension für echte Kunstliebhaber. Ob im kleinen oder großen Loft – die Liebe zur Kunst findet sich in den kleinsten Details wieder. Hier gehen Sie quasi mit Kunst ins Bett, schlafen in bewohnbaren Installationen. In der größeren Unterkunft ist für bis zu sechs Personen Platz. Hier wurde der ehemalige Frauenwaschraum zur Küche umgestaltet. Die Gestaltung der inzwischen vier Meisterzimmer ist äußerst liebevoll und originell umgesetzt. Fast schade, dass Sie irgendwann die Augen zumachen müssen.
Restaurant Lesage in Dresden
Am Straßburger Platz in Dresden trafen Kunst, Kultur und Architektur schon immer aufeinander. Hier, mitten in der Innenstadt, gleich neben dem Botanischen Garten, liegt die Gläserne Manufaktur von VW. Hier wird nicht nur der Bentley Flying Spur gefertigt – hier befindet sich auch eines der besten Restaurants der Region. Mitten im futuristischen Prachtbau mit den riesigen Glasfronten und dem fast 40 Meter hohen Glasturm schafft Küchenchef Thorsten Bubolz immer wieder eine faszinierende Kombination aus besonderer Architektur und Haute Cuisine.
Bauhaus Dessau (Bild: Yvonne Tenschert)
Modernstes Design aus den 20er Jahren: Das Bauhaus in Dessau ist mehr als einfach nur ein Gebäudekomplex. Bis heute entfaltet das Ensemble seine Wirkung auf Architektur, Kultur, Kunst und Design. Als Hochschule für Gestaltung legte das Bauhaus weltweit einen entscheidenden Grundstein für die Moderne. Besonders das Meisterhaus von Walter aus Gropius wies eine Fülle bemerkenswerter Details auf, vom begehbaren Kleiderschrank bis zum zusammenschiebbaren Doppelsofa. Viele Erfindungen aus der Innenausstattung der Meisterhäuser sind heute Alltag. Besucher können ganz in die Welt des Bauhaus eintauchen: In Teilen des Bauhaus können Sie mittlerweile übernachten.
Amano Bar in Berlin
Die Bar des Hotel Amano ist zu allererst einmal eine klassische Hotelbar, das Ambiente eher gediegen. Und doch ist es ganz anders, als der erste Blick vermuten lässt: Die Amano Bar ist ein progressiver Genusstempel für Cocktailfeinschmecker und mittlerweile wichtiger Bestandteil des Berliner Nachtlebens. An der linken Seite des edlen Marmortresens blickt Klaus Kinski von einem überlebensgroßen Plakat ein wenig irre in den Raum, dahinter werden die vielleicht besten Cocktails der Stadt gemixt. Klassiker können die Barkeeper auch, das Amano empfiehlt sich aber wegen der hauseigenen Spezialitäten. Zum Beispiel ein Pink Mojito mit El Dorado Blanco Rum, Chambord, frischer Limette, weißem Rohrzucker, frischer Minze, Himbeeren und Soda.
Pauly Bar in Berlin
Der Name ist Programm: Die Decken des Pauly Saals sind rund sieben Meter hoch. Wenig verwunderlich, wenn man weiß, dass sich das Restaurant in der Turnhalle einer ehemaligen jüdischen Mädchenschule in der Auguststraße befindet. Seit vergangenem November ist die Küche mit dem ersten Stern geadelt worden. Aber nach wie vor ist der Pauly Saal vor allem der Treffpunkt aller Coolen und Kreativen in Berlin. Die benachbarte Pauly Baar gilt vielen als die schönste Berlins. Neben der hervorragenden Küche und einer feinen Bar lockt der Pauly Saal mit seinem ganz besonderen Ambiente. Der große Leuchter aus Muranoglas wurde eigens für die ehemalige Turnhalle gefertigt. Die Einrichtung zieren grüne Polsterbänke, dunkel gekachelte Wände und Parkettboden. An einer Wand hängt quer die Rakete „Miss Riley“ der Künstlerin Cosima von Bonin.

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